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Mein wahres Leben in der Provinz
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Mein wahres Leben in der Provinz

Regie: Olivier Ducastel & Jacques Martineau, Fkr. 2002, 105 min, OmU (Französisch), FSK o. A.


Etienne lebt mit seiner Mutter in Rouen. Zu seinem 16. Geburtstag schenkt ihm seine Großmutter eine Digitalkamera. Etienne beginnt, seinen Alltag zu filmen: sein Zuhause, seinen besten Freund Ludovic und die Eishalle, wo er für die französische Meisterschaft im Eiskunstlauf trainiert. Besonders interessiert er sich für Ludovics Mädchengeschichten sowie für Laurent, seinen Geografielehrer, dem er mit der Kamera nachstellt. Etienne dreht weder einen Film noch ein Tagebuch, er sammelt vielmehr Momente seines Lebens. Oft dreht er selbst, manchmal bittet er auch die zunehmend genervte Familie um Mithilfe. Seine Bilder zeigen, was er mag, was ihn beschäftigt und erzählen so zunehmend mehr über ihren Urheber, als über das Gefilmte selbst, beschreiben schließlich die Schwierigkeiten, mit denen Etienne seine Homosexualität entdeckt. „Mein wahres Leben in der Provinz“ ist insofern ein ästhetischer Versuch, als der Film scheinbar nur aus den Aufnahmen „Etiennes“ Kamera besteht. Mit der damit erreichten Unmittelbarkeit und Leichtigkeit entstehen für die Autoren Olivier Ducastel und Jacques Martineau allerdings auch Einschränkungen für das Erzählen der eigentlichen Geschichte. Obgleich dies nicht in allem überzeugend gelungen ist, bleibt der Film doch ein sehenswertes Experiment.