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Kohlhaas oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel
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Kohlhaas oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel

Regie: Aron Lehmann, BRD 2012, 90 min, keine FSK


Aron Lehmann, der Regisseur dieses Films, zeigt einen Regisseur namens Lehmann, der einen Film dreht. Eine opulente Verfilmung von Kleists Kohlhaas-Novelle soll es werden, ein groß ausgestattetes Historienepos. Aber da kommt nach dem ersten Drehtag ein Anruf: Die Produktionsfirma zieht sich zurück, alle Fördergelder sind gestrichen, der Regisseur steht mit seiner Vision da, aber ohne Geld. Aber sein Wille ist stark. Er kann die meisten seiner Crew halten für einen Film ohne Budget. Sie nisten sich im Kuhkaff Speckbrodi in Bayerisch-Schwaben ein, im Festsaal der Dorfwirtschaft. Der Bürgermeister unterstützt nach Leibeskräften – schließlich ist fast die gesamte Bevölkerung im dörflichen Laientheater engagiert. Und so geht der Dreh weiter: Imaginäre Waffen werden geschwenkt, statt auf Pferden wird auf Kühen geritten: Alle folgen Lehmanns Vision vom großen Kino, das er im Kleinen verwirklichen will. Aron Lehmann schafft so eine adäquate Kleist-Adaption: er schildert sowohl die Novelle als auch die Verfilmung, die sich beide spiegeln. Publikumspreisträger des Max-Ophüls-Filmfestivals 2013