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Der Kuaför aus der Keupstraße
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Der Kuaför aus der Keupstraße

Regie: Andreas Maus, BRD 2015, 92 min, OmU (Türkisch), noch keine FSK


Vor und in dem Friseurgeschäft der Brüder Özcan und Hasan Yildirim ist viel los, als sich am 9. Juni 2004 plötzlich 700 zehn Zentimeter lange Tischlernägel mit einer Reichweite von 250 Metern in Projektile verwandeln. Sie verletzen 22 Menschen. So infam der Anschlag ist, so skandalös der Verlauf der Ermittlungen: Verdächtigt werden die Opfer. Überwachungsvideos wertet man nicht aus und Bundesinnenminister Otto Schily schließt einen rechtsradikalen Hintergrund dezidiert aus. Erst 2011 wird mit den Enthüllungen über die rechtsextreme terroristische Vereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund“ auch diese Tat aufgedeckt. Der Prozess dauert bis heute an.
Der Regisseur Andreas Maus konzentriert sich darauf, zehn Jahre nach dem Kölner Nagelbomben-Attentat jenen eine Stimme zu geben, die lange niemand hören wollte. Die von ihm angewandten Erzählstrategien zielen auf Distanz, um freizulegen, mit welcher Systematik vertuscht, verschwiegen und verdrängt wurde. Dokumentarisches und inszeniertes Material verschränken sich miteinander, Schauspieler agieren neben Betroffenen, Räume werden rekonstruiert.
Aufführung anlässlich des 12. Todestages des NSU-Opfers Mehmet Turgut in Kooperation mit der Rostocker Gedenkinitiative "Mord verjährt nicht" – am 25.02. mit anschließender Diskussion mit einem Vertreter der Initiative "Keupstraße ist überall" und einer Vertreterin der "Initiative 6. April" aus Kassel