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Arlit – Ein zweites Paris Trailer
© MKJ Films

Arlit – Ein zweites Paris

Regie: Idrissou Mora-Kpai, Benin/Frankreich 2005, 78 min, OmdU, keine FSK


Filmreihe: Tage des indigenen Films

Die Stadt Arlit im Norden des westafrikanischen Landes Niger galt einst als zweites Paris: Gut verdienende ArbeiterInnen, ein betriebsamer Flughafen und ein reges Nachtleben am Rand der Sahara. Heute, 50 Jahre nachdem französische Firmen eine Uranmine erschlossen und unmittelbar neben ihr eine stets wachsende Arbeitersiedlung aus dem Boden stampften, sind viele ihrer BewohnerInnen mit Krankheit, Armut und Perspektivlosigkeit konfrontiert. Zugleich ist Arlit für afrikanische MigrantInnen zum Ausgangspunkt zur Sahara-Durchquerung auf dem Weg nach Europa geworden.

Der beninische Filmemacher Idrissou Mora Kpai begleitet den alten Issa in seine ehemalige Heimatstadt. Issa erkennt sein früheres zu Hause kaum wieder, doch für seinen Sohn ist das neue Arlit zur Heimat geworden. Verschiedene BewohnerInnen erzählen, was sie in die Stadt trieb und wie diese zu dem wurde, was sie heute ist. Sie berichten von der Zeit, als sie in den Minen gutes Geld verdienten - ohne zu ahnen, wie gesundheitsgefährdend ihre Arbeit mit dem radioaktiven Rohstoff war. Nach dem Verfall des Uranpreises und Aufständen der einheimischen Tuareg in den 1980er Jahren war die wirtschaftliche Blütezeit Arlits vorbei und viele verloren ihre Stellen. Doch kontaminierte Erde umgibt die Stadt bis heute und macht viele ihre BewohnerInnen krank. Radioaktives Metall wird vom Atomkonzern als Baumaterial verschenkt. Bis heute erklären die Ärzte im vom Urankonzern finanzierten Krankenhaus, die vielen Krebserkrankungen und Todesfälle stünden nicht mit den Uranminen in Zusammenhang.

Zugleich ist die Stadt heute voller Menschen, die getragen sind von der Hoffnung, eines Tages in Europa ein besseres Leben zu beginnen. Schmuggler erzählen offen von ihrem Geschäft, MigrantInnen von den Behörden unbemerkt nach Algerien zu bringen. Reisende auf dem Weg nach Norden, die in der Sahara aufgegriffen werden, müssen nach Arlit zurückkehren. Doch Mora Kpai trifft auch auf innerafrikanische MigrantInnen, die in Arlit bleiben wollen, wenn sich ihnen dort eine wirtschaftliche Perspektive bietet.

Idrissou Mora Kpail lässt die StadtbewohnerInnen selbst sprechen und verzichtet auf erklärende Kommentare. Lange Kamerafahrten geben einen Eindruck von dem Ausmaß des Uranabbaus und einer in Europa weitgehend unbekannten Stadt, die durch die im Film angesprochenen Themen Ressourcenausbeutung, Umweltzerstörung und Migrationsbewegungen in Richtung Norden mit Europa verbunden ist - heute vielleicht noch mehr als zu Zeiten der Dreharbeiten.

Vor der Filmpremiere 2005 lag Arlit wirtschaftlich am Boden. Der Uranabbau wurde stark gedrosselt und niemand wusste, ob die Mine nicht bald ganz stillgelegt werden würde.

2010 entführte Al-Quaida Mitarbeiter des französischen Atomkonzerns AREVA. Unter Einfluss der französischen Regierung schloss AREVA 2014 mit der Regierung des Niger einen neuen Vertrag zum weiteren Uranabbau ab, wodurch sich der Staat 100 Mio. Euro Steuermehreinnahmen sicherte.

Regisseur Idrissou Mora-Kpai, aufgewachsen in Benin, lebte in Algerien, Italien und Deutschland bevor er in Frankreich seine eigene Produktionsfirma gründete, mit der er ARLIT produzierte. ARLIT wurde unter anderem auf den Filmfestivals in Rouen (Frankreich), Tarifa (Spanien) und Ouidah (Benin) als beste Dokumentation ausgezeichnet.

Am 24.11. um 20 Uhr anschließendes Filmgespräch, moderiert von Enoka Ayemba.


in der Frieda23Friedrichstraße 23

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