Das Reichsorchester

Das Reichsorchester
Regie: Enrique Sánchez Lansch, BRD 2007, 90 min, FSK o.A.

Im letzten Jahr feierten die Berliner Philharmoniker, eines der berühmtesten Orchester weltweit, ihr 125jähriges Bestehen. Anlass, einen Blick auf ein unbehagliches Kapitel seiner Geschichte zu werfen, auf die Jahre zwischen 1933 und 1945. Finanziert durch das Deutsche Reich, waren die Philharmoniker das deutsche Vorzeigeorchester und somit Repräsentanten des nationalsozialistischen Regimes. Im Mittelpunkt des neuen Dokumentarfilms von Enrique Sánchez Lansch („Rhythm Is It!“) steht das Orchester selbst, die Musiker, die Menschen, die Einzelschicksale. Sie waren weit weniger exponiert als ihr Chefdirigent Wilhelm Furtwängler, rückten aber in dieser Zeit in die nächste Nähe der Macht. Sie lebten und arbeiteten im Kollektiv. Das schützte sie, erleichterte aber auch den Einzelnen, sich nicht der individuellen Verantwortung zu stellen besonders auch nach 1945. Noch lebende Zeitzeugen aus der Mitte und dem Umfeld des Orchesters und reichhaltiges, bisher nicht ausgewertetes Archivmaterial ermöglichen einen Einblick in diesen Mikrokosmos. Dabei bemüht sich der Film sehr um einen objektiven Blick, fällt keine vorschnellen moralischen Urteile, beharrt aber trotzdem darauf, persönliche Schuld und Verantwortung immer wieder zu hinterfragen.