Berlin Babylon

Berlin Babylon
Regie: Hubertus Siegert, BRD 1996-2000, 88 min

Seit 1990 wird in Berlin in einem Ausmaß geplant und gebaut wie in kaum einer anderen Metropole. Dabei sind die Diskurse, die diese ungeheuren Veränderungen beschreiben oder reflektieren könnten so vielfältig wie die Bauvorhaben selbst. Ästhetik und Architekturtheorie, Politik und wirtschaftliche Interessen, Stadtplanung und gesellschaftliche Visionen, Philosophie, Architektur- und Stadtgeschichte, deutsche Geschichte all dies würde die vergangenen zehn Jahre auf vielfältigste Weise beleuchten. Es scheint unmöglich, diesen Anspruch in einem Film umzusetzen, und doch hat Hubertus Siegert ihn in „Berlin Babylon“ durch seinen Verzicht auf Kommentare und Erklärungen auf ungewöhnliche Art eingelöst. Hier sind exzellente Bilder der Baustellen aus vier Jahren, unterlegt mit Musik von Beethoven, Brahms, Wagner bis zu den „Einstürzenden Neubauten“, montiert mit Aufnahmen und Äußerungen von den Protagonisten des Geschehens: Architekten, Politiker, Bauherren, Bauarbeiter. So kann man den Film als audiovisuelles Erlebnis genießen, oder in ihm ein interessantes Protokoll zur Zeitgeschichte entdecken.