Angèle und Tony

Angèle und Tony
Regie: Alix Delaporte, Fkr. 2010, 87 min, DF, keine FSK

Das erste Mal treffen sich die haltlos wirkende Angèle und der biedere Fischer Tony wegen einer Kontaktanzeige. Tony kommt zu spät, denn er verspricht sich nichts von dem Treffen. Zu jung, zu hübsch und zu lebenslustig ist die 27-Jährige, als dass sie sich wirklich für den korpulenten, wortkargen Pragmatiker interessieren könnte. In der Tat geht es Angèle um die bürgerliche Existenz in geordneten Verhältnissen. Eine Heirat würde ihre Chancen verbessern, ihren Sohn zurückzubekommen, der ihr wegen ihres kriminellen und unsteten Lebenswandels weggenommen wurde. Tony weist sie ab, aber Angèle nistet sich bei ihm ein, indem sie eine Stelle in dem kleinen Fischereibetrieb annimmt. Der Film spielt in einer rauen, karg-schönen Meereslandschaft unter dem hohen Himmel der Normandie. Mit wenigen Strichen gelingen der Regisseurin komplexe Charakterzeichnungen. Mitten in der realistischen Schilderung geschehen dann – irgendwo unter der herben Oberfläche – die kleinen Wunder, von denen einige gerade wegen ihrer Schlichtheit lange im Gedächtnis bleiben: ein flüchtiges Lächeln, eine gemeinsame Fahrradfahrt, ein stummes Einverständnis auf dem Schiff.